Was sind die Grundlagen unserer Lehre?
Die Grundlage der Lehre und der Theologie der Evangelisch-methodistischen Kirche ist die Bibel.
Als die darauf aufbauenden "Lehrnormen", welche zugleich die Stimmen der Tradition, der Erfahrung
und der Vernunft zu Gehör bringen, gelten die Glaubensartikel der Methodistischen Kirche
(eine von John Wesley (1703-1791) gekürzte Fassung der 39 Artikel der Anglikanischen Kirche), das
Glaubensbekenntnis der Evangelischen Gemeinschaft, die "Lehrpredigten" John Wesleys und seine Erklärenden
Anmerkungen zum Neuen Testament sowie die aus der methodistischen Erweckungsbewegung hervorgegangenen
"Allgemeinen Regeln". Zu den Lehrdokumenten zählen heute auch das "Soziale Bekenntnis" und die "Sozialen Grundsätze".
Das so genannte "Quadrilateral" (Bibel, Tradition, Erfahrung, Vernunft) benennt die vier Quellen bzw. Kriterien von Lehre und Bekenntnis und bringt sie in eine sachgemäße Reihenfolge und Beziehung:
Die Bibel ist Basis, Quelle und Maßstab für christliche Lehre und christliches Leben. Die vom Heiligen Geist erleuchteten biblischen Schreiber bezeugen, dass in Christus die Welt mit Gott versöhnt ist. Die Bibel bezeugt zuverlässig Gottes Selbsterschließung ("Offenbarung"). Angemessen verstehen können wir die Bibel innerhalb der glaubenden Gemeinde, die durch ihre eigenen Überlieferungen unterwiesen ist. Wir legen einzelne Texte im Licht ihrer Stellung innerhalb des gesamtbiblischen Zeugnisses aus. Dazu kommen wissenschaftliche Forschung und persönliche Einsicht.
Die theologische Aufgabe beginnt nicht in jedem Zeitalter oder mit jedem Menschen von neuem. Jahrhunderte lang haben Christen versucht, die Wahrheit des Evangeliums für ihre Zeit auszulegen. Bei diesen Bemühungen hat die Tradition - im doppelten Sinn von Überlieferung als Prozess und als Inhalt - eine wichtige Rolle gespielt. Ihre Texte und ihre Gestaltung des christlichen Lebens stellen das Vermächtnis der Christen vergangener Generationen dar. Aber die Bibel bleibt der Maßstab, nach dem alle Traditionen beurteilt werden.
Für John Wesley war die persönliche Aneignung der uns geschenkten Gnade Gottes ein wesentlicher Teil des Glaubens. Wie er prüfen wir jedoch diese Erfahrung Einzelner wie der Gemeinschaft daraufhin, ob sie von der biblischen Botschaft bestätigt wird. Wir lesen die Bibel im Licht unserer Erfahrungen, und wir deuten unsere Erfahrungen mit Hilfe von biblischen Aussagen. Manche Erfahrungen (vor allem Leid, Ungerechtigkeit, Krankheit, Friedlosigkeit usw.) können den Glauben und das theologische Verstehen auf eine harte Probe stellen. Diese Erfahrungen sollen nicht ausgeklammert werden, sondern zu einem tieferen Suchen nach der Wahrheit Gottes und seinem guten Willen für diese Welt helfen. Andere Erfahrungen lassen uns die Bedeutung der biblischen Texte für uns überhaupt erst erkennen.
Obwohl das, was wir von Gott wissen und erkennen können, unser menschliches Reden und Denken letztlich übersteigt, erfordert doch jede theologische Arbeit den sorgfältigen Einsatz der Vernunft. Denkend lesen wir die Bibel und legen sie aus. Denkend stellen wir Glaubensfragen und versuchen, Gottes Handeln und seinen Willen zu verstehen. Denkend fügen wir die Einsichten zusammen, die unser Zeugnis ausmachen, und geben sie zusammenhängend wieder. Mit Hilfe der Vernunft prüfen wir die Übereinstimmung unseres Zeugnisses mit der biblischen Botschaft und den Überlieferungen. Wir setzen unsere Vernunft ein, um unseren Glauben auf die ganze Weite menschlicher Kenntnisse und Erfahrungen zu beziehen.

